H=A=M=L=E=T

„Though this be madness, yet there is method in it.“
Wir fragen nach dem Wahnsinn Hamlets, deuten diesen aber um, indem wir explizit nach Hamlet heute fragen und den Wahnsinn, – Hamlets, des Schauspielers –, in das (mehrsprachige) Dickicht des Textvolumens verlegen, das seit Shakespeares Originalfassung wuchert. Wie lassen sich die vielen Hamlets heute sprechen?
Wie die Figur Hamlet als einziger den Geist (seines gleichnamigen Vaters) hören kann, im Stück für ihn spricht, also bereits 2 Hamlets in einem darstellt, auf der Schwelle stehend, die sowohl das Reale und Fiktionale, Jetzt und Vergangenheit, To be und not to be verbindet; genauso horcht unsere Version in die früheren Versionen hinein, fällt geradezu als Unterbrechung in sie ein, übersetzt sie in ein Variationenspiel, aktualisiert sie dabei. A la Polonius – „Ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode“ – machen wir Wahnsinn tatsächlich zur Methode. Die Kommunikation zwischen den Hamlet und seinen Geliebten und Gehilfen misslingt andauernd, ob er mit Ophelia, mit Guildenstern und Rosencrantz, oder mit seiner Mutter spricht. Wahnsinn kann auch da entstehen, wo das Verstehen bis an den Rand des Nicht-Verstehens gedehnt wird, wo Kategorien auf ihren Gegensatz hin geöffnet werden. Uns auf diese Randspur begebend, spielen wir verschiedene Modi des (theatralen) Dialogs durch, lassen Hamlet Grenzen der Vernunft auch räumlich übertreten. Die Figur – und das Publikum – werden vor die Frage gestellt: Wo bin ich? Worin unterscheiden sich realer und theatraler Raum? Innen und Außen? Leben und Theater?
Hamlet ist die Durchlässigkeit, ist die Krise, ist im Singular nicht haltbar.

Konzept Oliver Lau
Regie Jakob Engel, Oliver Lau
Text Miriam Rainer
Ausstattung Pia Eisenträger
Spieler Lina Hoppe, Oliver Lau, Patrick Schlegel
Sprecher Philipp Kronenberg

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